Kulturkalender

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Agrikultur

Feldbau auf unbewässertem Land

 

Die landwirtschaftliche Nutzung Lanzarotes war von jeher hartes Brot. Mangelndes Wasser, sengende Sonne und ausdörrende Winde zwangen die Bauern erfindungsreich zu sein. Sie verfahren nach der Trockenfeldbau-Methode, secano genannt, die für den Kanarischen Archipel charakteristisch ist.

Eine Art des Trockenfeldanbaus ist die Dünensandkultur ­(jable). Zwischen San Bartolomé und Teguise, mitten durch die Insel also, verläuft ein etwa drei bis fünf Kilometer breiter Dünenzug, der höchstens einen Meter mächtig ist. Liegt der Sand nicht stärker als 40 cm, wird auf dem Sand ausgesät. Die Wurzeln des keimenden Saatgutes erreichen schnell den darunter liegenden Mutterboden. Der Sand speichert die Feuchtigkeit und gibt sie weiter an die Wurzeln.

Um ein Weiterwandern der Düne zu verhindern, beschweren die Bauern den Sand mit Steinen. Neuerdings vermischen sie den Sand auch mit picón. Das sind vulkanische Auswürfe, basaltische Lapilli, auch Lavagranulat, von starker Porösität mit hygroskopischer Wirkung.

Der picón ist wesentlicher Bestandteil einer weitaus häufiger angewandten Methode: enarenado genannt (enarenar = mit Sand ­bestreuen). Dieses Trockenfeldbau-System entwickelten eigens die ­Kanarier.

Es heißt enarenado artificial, wenn die vulkanische Deckschicht herbeigeschafft werden muß. Diese Deckschicht verleiht den Äckern Lanzarotes ihr typisches Schwarz. Auf die Felder wird eine 10 bis 30 Zentimeter starke picón-Decke gelegt. Tagsüber erwärmt sich die vulkanische Decke, schützt aber gleichzeitig den Mutter­boden vor Austrocknung. Nachts kühlt der picón rasch ab, wodurch die Kondensation der bodennahen Luftschichten verstärkt wird. Der picón läßt den aufgesogenen Niederschlag durch, so bleibt die Erde auch ohne Regenfälle ständig angefeuchtet. Alle zehn Jahre muß die Lavaschicht ausgewechselt werden.

Zur Aussaat tragen die Bauern die Schicht bis zum Mutter­boden ab. Mit hölzernem Hakenpflug, mit dem ein tieferes Durchpflügen nicht möglich ist, kratzen sie Ackerfurchen. Den Pflug zieht manchmal noch das Dromedar. Zwiebeln werden als Setzlinge gesteckt, anders als bei der Aussaat, wird der picón nicht abgeräumt, sondern die Bauern ziehen in die Deckschicht Furchen, in die die Setzlinge gesteckt werden.

Um La Geria herum liegt das Weinanbaugebiet Lanzarotes. Von Uga bis San Bartolomé ist die Erde in einem breiten Streifen von ­Natur aus mit vulkanischen Auswürflingen bedeckt. Nun nennt sich die Anbau-Methode enarenado natural. Runde, tiefe Trichter wurden ausgehoben, damit die Rebstöcke den Erdboden mit ihren Wurzeln ­erreichen konnten. Diese Arbeiten stammen aus dem 18. Jahrhundert. Zu jener Zeit hatte man die Malvasiertraube von Kreta eingeführt.

Hier, in La Geria, wachsen auch Feigen, Zitrusfrüchte und Mandelbäume. Gegen den austrocknenden Wind errichteten die Weinbauern kleine, um die Trichter gesetzte Mauern aus Vulkan­gestein. Das gesamte Anbaugebiet erstreckt sich über etwa 3000 Hek­tar. Bis zu 50 Kilogramm Trauben soll ein Stock tragen. Der bernsteinfarbene Malvasier, mit seiner würzigen, trockenen Blume, ist einer der besten Weine des Kanarischen Archipels. Durch geringe Niederschläge, die kräftige Sonne und fruchtbaren vulkanischen Boden kann er optimal gedeihen. Der Alkoholgehalt ist dementsprechend hoch. Schon der leichte Wein ist schwer wie Sherry. Man sagt ihm nach, er habe die vulkanische Kraft in sich, die die Lanzaroteños einst fürchteten. In Europa und der Neuen Welt war der Malvasier schnell bekannt. Schon bei Shakespeare ist er erwähnt. In den spanischen Königshäusern trank man ihn bevorzugt. Hauptabnehmer war England, bis der Malvasier verdrängt wurde vom Sherry, den Bordeaux-Weinen, dem Madeira, dem Port.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vernichtete der Mehltau viele Weinstöcke und brachte den Weinexport völlig zum erliegen. Heute vertreibt man den Wein fast ausschließlich auf dem ­Kanarischen Archipel. Auf Lanzarote, in zahlreichen bodegas (Winzereien) ist, neben Rosé- und Rotweinen, der bernsteinfarbene ­Malvasier in verschiedenen Jahrgängen erhältlich.